Montag, 14. Dezember 2009

der "große Konflikt" unserer Zeit... (Teil 2)

dieser Blog ist eine Fortsetzung-> Teil 1

kurzer historischer Exkurs

Zum besseren Verständnis der Krisenherde folgt hier nun ein kurzer Überblick über die Geschichte Afghanistans und des Iraks. Diese sollen es dem Leser ermöglichen das Geschilderte in den historischen Kontext einzufügen. Keinesfalls genügen sie um sich ein Bild von der Geschichte und den Traditionen der beiden Staaten zu machen.


Afghanistan
Die Wurzeln Afghanistan liegen in seinem Vorgängerstaat, einem im 18. Jahrhundert gegründeten paschtunischen Königreich. Bereits ein Jahrhundert später begann ein Konflikt der mit heißen und kalten Phasen bis heute andauert.
In der Kolonialzeit geriet Afghanistan in den Focus der Kolonialreiche Rußlands und Großbritanniens.
Vereinfacht dargestellt wollte Rußland über Afghanistan Zugang zum Indischen Ozean erlangen, die Briten wollten um dem Zuvorzukommen Afghanistan unterwerfen. Unstimmigkeiten bei der Bestimmung der afghanischen Thronfolge dienten den Briten als Rechtfertigung einzugreifen. Acht Jahrzehnte und drei erbitterte Anglo-Afghanische Kriege später einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss.
Von 1925 an war Afghanistan ein von beiden Kolonialmächten unabhängiges Königreich. 1973 wich die Monarchie einer Republik, 1978 erlangten Kommunisten die Macht, die Afghanistan in einen sozialistischen Staat umwandeln wollten und dabei eine Annäherung an die UDSSR unternahmen. Dies wurde von den Amerikanern jedoch missbilligt und so wurde der sich schnell formierende Widerstand unterstützt, insbesondere durch Geld, Waffen und mit Hilfe von "CIA-Beratern". Dadurch kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, was zur Folge hatte das die kommunistische Regierung zu stürzen drohte. Um dies nun zu verhindern griff die Sowjetunion ein und startete 1979 ein Invasion. Nun kämpften die Wiederstandskämpfer (Mudschahidin) mit Hilfe der USA und von vielen Sympathisanten (persönlich kämpfend oder finanziell unterstützend) aus arabischen Ländern (Stichwort: Osama bin Laden, thematisiert im dritten Teil dieses Blogs) gegen die sowjetischen Besatzer, man spricht hierbei von einem Stellvertreterkrieg. 1989 endete dieser Krieg mit dem Rückzug der Sowjettruppen. Die Sowjetunion sollte wenige Zeit später aufhören zu existieren. Etwa ein Jahr später wurde die kommunistische Regierung Afghanistans endgültig gestürzt. Das Ende des Krieges bedeutete allerdings keinen Frieden für die Afghanen, da die siegreichen Mudschahidin sich umgehend gegenseitig bekämpften. Im Laufe dieses Bürgerkrieges gewann eine Fraktion immer größeren Zulauf, die den Menschen Ordnung und Frieden versprach indem sie einen muslimischen Staat zu errichten suchten; die Taliban. In den folgenden Jahren eroberten die Taliban weite Teile des Landes, 1996 wurde das arabische Emirat Afghanistans ausgerufen. Bis 2001 kontrollierten sie ca. 90% des Landes, nur ein Streifen im Norden war noch von einer Allianz von "Warlords" besetzt (Nordallianz). Die Taliban regierten das Land indem eine menschen- und kulturverachtende Auslegung des Islams Anwendung fand, ihre Versprechen von Frieden und Ordnung wurden nicht eingehalten. Dieser Zustand hielt an bis im Jahr 2001 verbündete Truppen der NATO-Staaten der Herrschaft der Taliban ein Ende setzten, besiegt sind diese indes bis heute nicht. Nachdem die Taliban aus der Regierung vertrieben waren, wurde umgehend (in Bonn) ein Präsident ernannt: Hamid Karsai. Stabilität ist derzeit nicht absehbar...

Irak
Die Geschichte Iraks ist Teil der Geschichte der Menschheit. Das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris gilt als Wiege einer der frühesten Zivilisationen der Menschheit. Die Geschichte der Region zu erzählen würde Bibliotheken füllen, hier will ich mich auf die jüngere Geschichte konzentrieren und jene kurz zusammenfassen.
Der Staat Irak entstand aus dem britischen Mandat Mesopotamien. Dieses widerum war ein Gebiet unter britischer Kontrolle, enstanden aus Gebietsgewinnen die die Briten im ersten Weltkrieg zu Lasten des osmanischen Reiches machten. Nach dem ersten Weltkrieg wurde aus dem Mandat das Königreich Irak erschaffen. 1958 wurde nach einem blutigen Militärputsch die Rebuplik Irak ausgerufen, welche sich allerdings binnen weniger Jahre zu einer Diktatur wandelte. Während dieser gesamten Periode behielten die ehemaligen Kolonialherren aus Großbrittanien großen Einfluß, sowohl politisch als auch wirtschaftlich (besonders bei den Ölkonzessionen). Dies sollte sich jedoch ändern, 1959 trat der Irak aus dem Bagdad-Pakt aus, 1960 war Irak Gründungsmitglied des OPEC, 1972 schließlich wurde die Ölindustrie verstaatlicht, ausländische Ölunternehmen wurden verdrängt. 1979 übernahm Saddam Hussein die Macht; er sollte sich als ein grausamer und skrupelloser Tyrann herausstellen. 1980 entbrannte der erste Golfkrieg, ein äußerst erbittert und grausam geführter Krieg zwischen den Erben Mesopotamiens (Irak) und den Erben Persiens (Iran). Daß dieser Krieg ganze acht Jahre dauern sollte ist vor allem den massiven Waffenimporten zuzuschreiben. Besonders pervers erscheint hierbei, dass die meisten Länder gleich beide Kriegsparteien mit Waffen versorgt haben, gleichzeitig aber den Krieg verurteilten. Selbst der vielfach gebranntmarkte Giftgaseinsatz wäre nicht ohne entsprechende Importe möglich gewesen. 1988 unterzeichneten beide Seiten einen Waffenstillstand. Zwei Jahre später folgte der zweite Golfkrieg, diesmal griffen irakische Truppen Kuweit an, was die Intervention US-amerikanischer und britischer Truppen auslöste. Durch technische Überlegenheit trugen die westlichen Alliiertn einen schnellen Sieg davon, überschattet wurde dies von einer Propaganda des "sauberen Krieges".
Spätestens vom zweiten Golfkrieg an war der Irak international gebranntmarkt, die UN versuchte in einem Jahre andauerndem Eiertanz zwischen Diplomatie und Sanktionen ständige Waffenkontrollen im Irak zu etablieren, ohne dauerhaften Erfolg. Dass die Vereinten Nationen nichts weiter als ein Organ eben jener Länder ist, die den Irak erst mit all den Waffen versorgt hat, sei nur am Rande erwähnt. Im Jahr 2003 wurde der Irak von britischen und US-amerikanischen Truppen angegriffen und nach einem kurzem Krieg vollständig besetzt. Auf eine von amerikanischer Seite bestimmte Übergangsregierung folgte 2005 eine vom irakischen Volk gewählte Regierung. Wie in Afghanistan ist auch im Irak bisher keine Stabilität zurückgekehrt.

Wie kam es zum aktuellen "großen Konflikt"?

Nach diesem kurzen Exkurs will ich mich nun wieder dem eigentlichen Thema widmen, wie kam es zu dem im ersten Teil des Blog dargestellten "großen Konflikt"?

Nachdem der eiserne Vorhang Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gefallen und somit das Feindbild des Weltkommunismus nicht mehr aufrecht zu erhalten war, hätte die Welt doch eigentlich in Frieden weiterleben können, sollte man meinen. Warum ist das nicht passiert? Sind denn alle Menschen so habgierig und mordlustig, dass Konflikte vorprogrammiert sind, egal wie redlich unsere Führer dagegen streben?

Oder kann es sein, dass unsere Führer (oder einige davon) es in Wirklichkeit sind, die nach diesen Konflikten streben? Kann es sein, dass bestimmte Kreise sich nach dem Wegfall des alten Feindbildes Sorgen gemacht haben, wie sie weiterhin Ihre Waffen verkaufen sollen oder gegen wen sie weiterhin Stellvertreterkriege führen sollten um Ihre Einflußgebiete zu sichern oder womit sie nun die Massen "auf Kurs" halten sollen? Wenn man dieser These folgt kommt man zu erschreckenden Schlußfolgerungen.

Die Lösung wäre ganz einfach gewesen, ein neues Feindbild hätte gefunden werden müssen und zwar bald.

1990 fand sich mit dem Einmarsch irakischer Truppen nach Kuweit ein Vorwand Krieg zu führen, nämlich die Verteidigung Kuweits. Dass nun sowohl der Angriff Iraks als auch das Eingreifen der westlichen Allierten als Hauptziel die Sicherung des kuweitischen Öls hatte, wird mittlerweile von beinahe niemanden mehr bestritten, offiziell wurden damals andere Gründe vorgeschoben (->Wikipwdia->
zweiter Golfkrieg).
Damit war der Präzedenzfall geschaffen. Man hatte einen Krieg in Nahost gekämpft und folgende Erkenntnisse gewonnen:
1. man kann auch heute noch Krieg durch massive Propaganda gut "verkaufen"
2. islamistische Staaten taugen hervorragend als Feindbild, weil deren Kultur, Religion und Sitten sich so sehr von unseren Unterscheiden, dass reichlich Reibungspunkte ohne große Mühe aktiviert werden können
3. aufgrund der technischen Überlegenheit kann man solche Gegner mit relativ geringen menschlichen Verlusten besiegen

Allerdings war der zweite Golfkrieg relativ schnell wieder beendet und die Art und Weise wie die Amerikaner und Briten ihn gewonnen hatten, schreckte vorher aggressiv auftretende Parteien ab selbst Initiativen in der Region zu unternehmen, so daß zeitweise wieder relative Ruhe in der Region Einzug hielt. Wie nun in oben erwähnter These beschrieben, ist Frieden offenbar nicht für alle Menschen erstrebenswert, weshalb diese Parteien nun widerum einen Weg finden mussten möglichst bald Konflikte auszutragen.

Dies war der Moment, wo Osama bin Laden in den Focus der westlichen Mächte rückte.

(Fortsetzung in Teil 3)

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