Im letzten Blog habe ich damit geendet zu erwähnen, dass Osama bin Laden etwa zu der Zeit als der zweite Golfkrieg stattfand in den Focus der westlichen Staaten (zuerst der Geheimdienste, später auch der breiten Öffentlichkeit) rückte.
Widerum aus Gründen des besseren Verstehens der Zusammenhänge, will ich mich mit der Person etwas näher auseinandersetzen.
Osama bin Laden
(für solche die bin Laden noch besser verstehen wollen empfehle ich dieses 289 seitige Dossier mit diversen Interviews des Mudschahidins / Milliardärssohns / Terroristenführers: Statements of Usama bin Laden from 1994-2004
weitere Quellen:
Wikipedia -> Osama bin Laden
Who is who -> Osama bin Laden )
Usāma ibn Muhammad ibn Awad ibn Lādin wurde am 10. März 1957 in Saudi Arabien (Riad oder Dschidda) geboren. Als einziges Kind seiner Mutter hatte er über 50 Halbgeschwister, was als eine Ursache erachtet werde kann, weshalb sein Verhältnis zum Vater nicht sonderlich innig war.
Seine Kindheit verläuft unauffällig, er wird als ruhiges und nachdenkliches Kind beschrieben. Ab 1976 studiert er in Dschidda (Bauingenieur und / oder Betriebswirtschaft), 1979 folgt der Abschluss. Während des Studiums sammelt er Erfahrungen im Bauunternehmen seines (zu dem Zeitpunkt bereits verstorbenen) Vaters. Zeitweise genießt bin Laden die Vorzüge des Lebens als Sohn eines Milliardärs, so fährt er schnelle Autos und reist in der Welt herum, meist jedoch bevorzugt er das eher zurückgezogene Leben in Dschidda.
Wann genau sich sein fundamentalistische Glaubensbild ausprägte ist Spekulation, fakt hingegen ist, dass bin Laden (je nach Quelle in den 70er oder 80er Jahren) Mitglied der fundamentalistischen Organisation "Muslimbruderschaft" wurde, die sich gezielt gegen den Einfluß westlicher "Kolonialmächte" in muslimischen Ländern richtet. Etwa zu dieser Zeit kam es zum russischem Einmarsch in Afghanistan, der die "politische Laufbahn" des Milliadärssohns einleiten sollte. Schnell nach der Invasion begann sich Widerstand in der gesamten islamischen Welt zu regen. Dies widerum wurde in Regierungs- und Geheimdienstkreisen der USA freudig aufgenommen und man sicherte die finanzielle Unterstützung zu. So floßen große Geldbeträge aus den USA über Saudi-Arabien nach Afghanistan. Die Amerikaner versuchten so der UDSSR "ihr Vietnam" zu liefern (frei nach einem Zitat von Brzezinski). Unterdessen erklärten muslimische Geistliche (einige von ihnen) die Befreiung Afghanistans von den sowjetischen Invasoren als heiligen Aufgabe und verkündete den heiligen Krieg. Hierbei diente bin Laden als Vermittler, sowohl finanzieller als auch personeller "Hilfe" für die afghanischen Widerstandskämpfer. Im Zuge dieser Entwicklung zeichnete sich erstmals ein Bruch in dem zuvor intensiven Verhältnis zum saudischen Könighaus ab, da dieses offiziell nicht Stellung zu Afghanistan beziehen wollte.
Nach anfänglicher Unterstützung aus der Ferne, beschließt bin Laden nachdem er Afghanistan besucht hatte, dass er mehr tun müsse. So begann er in der Folge selbst arabische Freiwillige zu sammeln, die durch Ausbildung und Organisation effektiver eingesetzt werden sollten als zuvor. Die so geschaffene Gruppe von Kämpfern wurde in Kämpfen mit den sowjetischen Besatzern eingesetzt, konnte jedoch nach verschiedenen Berichten nie größere Siege vorweisen. Überhaupt schwanken die Ansichten über den Erfolg und das Ausmaß dieser Aktivitäten immens. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen begann wie geschildert wurde ein Bürgerkrieg unter den verschiedenen Gruppen der Mudschahidin, in den sich die arabischen Kämpfer nicht einmischen wollten. Daher suchte man neue Aktionsgebiete, zur Diskussion standen unter anderen auch Ägypten (Entfernung des säkularen Staates)und Palästina (Unterstützung der Intifada). Für diese Ziele wurde nun Al-Qaida gegründet. Bei einem Besuch in seiner Heimat wurde bin Laden jedoch von Seiten der saudischen Regierung "empfohlen" zurückzukehren, was er daraufhin auch tat. Trotzdem bin Laden nun in sein ziviles Leben zurückkehrte, blieb er politisch aktiv, was ihm vermehrt den Unmut der saudischen Führungskreise zutrug, da er antiamerikanische Meinungen proklamierte. Zum endgültigem Bruch mit dem Königshaus kam es als dieses den Amerikanern arabischen Boden als Aufmarschgebiet für den Krieg gegen den Irak (2. Golfkrieg) zugestand. Für bin Laden kam dies einer Schändung der heiligen Stätten gleich. Aktivitäten in Jemen und nochmals in Afghanistan verschlechterten die Beziehungen weiter, woraufhin sich bin Laden mitsamt Familie im Sudan niederließ.
Es scheint als ob er hier seine politische Tätigkeit einstellen wollte und dies anfänglich auch tat. Das Eingreifen internationaler Truppen (Blauhelme) sowie von amerikanischen Marines in Somalia führte allerdings zu der erneuten Radikalisierung, was widerum zu einer Unterstützung des Ausruf eines heiligen Krieges gegen die vereinigten Staaten führte. In diese Zeit fallen die ersten gezielten Aktionen gegen die USA, zuerst stellten sich diese als Anschläge auf Soldaten dar, später folgten auch zivile Ziele wie etwa Botschaften. Der westlichen Öffentlichkeit wurde bin Laden 1993, durch den erfolglosen Versuch das World Trade Center in New York mit Sprengstoff zu zerstören, bekannt. Auch in der muslimischen Welt war Al-Quaida tätig, was diese jedoch zunehmend in Bedrängung brachte, da nun die saudische Regierung unter Druck der betroffenen Länder geriet und nun versuchte bin Laden Einhalt zu gebieten. Nachdem diese Versuche scheiterten, wurde ihm die Staatsbürgerschaft entzogen, Teile seines Eigentums wurden beschlagnahmt und er wurde von seinen Brüdern aus der Familie verstoßen. Nach weiteren Anschlagsserien aus dem Umfeld bin Ladens wurde der Druck auf die sudanische Regierung mit diversen Sanktionen erhöht, was diese zu der Erkenntnis brachte Osama bin Laden nicht weiter beherbergen zu können. In Ermangelung von Alternativen kehrte er 1996 nach Afghanistan zurück wo inzwischen die Taliban die dominierende Fraktion geworden waren. Dort gründete er erneut Ausbildungslager für seine "heiligen Krieger", das Hauptziel seiner Bestrebungen sollte von nun an die Vertreibung der amerikanischen Präsenz aus der Golfregion sein. Sein weiteres Leben ist nur noch bruchstückhaft zusammenzusetzen. Als Fakt wird angesehen, dass bin Laden von Afghanistan aus weitere Terroranschläge geplant hat, auch die Zerstörung des World Trade Centers wird ihm angelastet. Seine eigenen Stellungnahmen dazu sind widersprüchlich. Bewiesen wurde seine angebliche Schuld an den über 3000 getöteten Menschen an diesem Tag jedenfalls nie.
Sein momentaner Aufenthaltsort ist unbekannt, auch diverse Gerüchte er sei längst tot kursierten die Medien, sichere Erkenntnisse sind jedoch Mangelware.
Ziel und Anlaß des "Krieges gegen den Terror"
Nach diesem erneuten Exkurs möchte ich nun wieder zum eigentlichen Thema zurückkehren. Wie zuvor geschildert, war der 2. Golfkrieg eine Art von Präzedenzfall für die westlichen Mächte für Konflikte in der muslimischen Welt.
Meiner These, dass es Gruppen gibt, die nicht an dauerhaftem Frieden interessiert sind folgend, ergab sich für diese Gruppen das Problem, dass es keine offensichtliche Möglichkeit gab den Konflikt in dieser Region fortzusetzen. Um eine Legitimation für weitere Aktionen zu erhalten brauchte man ein Feindbild und einen Anlaß.
Wenn der Irak unter Saddam Hussein zwar ideologisch als Feindbild taugte, war der Staat nach dem 2. Golfkrieg so sehr am Boden zerstört, dass keine weiteren offensiven Aktionen zu rechtfertigen gewesen wären. Ein Ersatz war also nötig.
Wie geschildert fällt in diese Zeit (Anfang der 90er Jahre) das verstärkte Auftreten bin Ladens als Urheber terroristischer Angriffe unter anderem gegen amerikanische Militärziele. Allerdings wie im Falle des Iraks eignete sich dieses Feindbild zwar aus ideologischen Gründen, jedoch nicht um Konflikte in der Größe auszutragen wie man es zu tun suchte, da es sich bei bin Laden nun mal um eine Privatperson und bei Al-Quaida um eine private Organisation handelte. Kreativität war nun gefragt und sie sollte in ihrer perversesten Form in Erscheinung treten. Das Ziel konnte nur sein, bin Laden in der Art mit einem Land in Verbindung zu bringen, dass beide nicht mehr von der Öffentlichkeit zu unterscheiden waren. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich bin Laden im Sudan auf, von wo aus er in die Schlacht von Mogadischu involviert gewesen sein soll und von wo aus er den gescheiterten Sprengstoffanschlag auf das WTC geplant haben soll. Bin Laden war zum Staatsfeind der USA geworden, auch der Öffentlichkeit wurde er bekannt. Die westlichen Staaten übten nun Druck auf den Sudan aus, was dessen Führung dazu bewog bin Laden die Ausreise zu "empfehlen". Wie oben beschrieben floh er ins vom Bürgerkrieg gezeichntete Afghanistan, wo er sich mit der Führung der Taliban kooperierte. Diese Verbindung sollte der USA unter G. W. Bush später als Legitimation führ einen Krieg gegen Afghanistan dienen.
Das Ziel für einen Krieg war mit Afghanistan also ausgemacht. Allerdings hat die Geschichte die Lektion gelehrt, dass man um einen Krieg mit zweifelhafter Legitmation in der Öffentlichkeit durchsetzen zu können, einen Anlaß braucht, der möglichst viele Menschen ihre normale, kriegsablehnende Haltung zumindestens vorübergehend vergessen läßt. Ein Blick in die Geschichtsbücher liefert viele Besipiele, nicht nur für Kriege sondern auch für andere Programme, die in der Öffentlichkeit umstritten waren. Um nur die prominentesten zu nennen, seien folgende erwähnt:
* die Ermordung des östereich-ungarischen Thronfolgers 1914 in Sarajevo die letztendlich den ersten Weltkrieg auslöste
* der Reichstagsbrand 1933 in Berlin, der dazu ausgenutzt wurde die Verfassungsrechte nach und nach zu eliminieren
Inwieweit diese beiden Zwischenfälle nicht nur ausgenutzt sondern auch von vornherein fingiert wurden ist in beiden Fällen bis heute unklar. Es gibt in der Geschichte allerdings auch genügend Beispiele bei denen klar ist, dass sie nur zu dem Zwecke der Anlassgebung für Kriege inszeniert wurden. Widerum prominente Beispiele sind:
* der Tonkin-Zwischenfall 1964, der zum Kriegsbeitritt der USA in den Vietnamkrieg führte
* der Überfall auf den Sender Gleiwitz, der Nazideutschland Anlaß schaffen sollte Polen zu überfallen
* Colin Powells Rede vor dem Welsicherheitsrat der UN im Jahre 2003, die den Weg in den 3. Golfkrieg ebnete
Einen solchen Anlaß, idealerweise einen, der tatsächlich auftritt, alternativ einen der inszeniert wird, brauchte man nun. Bekanntermaßen war der Anlaß für den Krieg gegen den Terror der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 (Am Rande sei erwähnt, dass auch bei diesem Kriegsanlaß bis heute umstritten ist, ob es nicht auch ein inszenierter Angriff war). Dieser wurde bereits am folgenden Tage islamischen Terroristen von Al-Quaida angelastet. Nur drei Tage nach den Anschlägen beriet der amerikanische Kongress über mögliche Resolutionen die es ermöglichen sollten dem Terror den Krieg zu erklären, was noch am gleichen Tag beschlossen wurde. Ebenfalls am dritten Tag nach 9/11 wurden 50.000 Reservisten zu den Streitkräften einberufen. Am vierten Tag ermächtigte der Kongress den Präsidenten "alle notwendige und angemessene Gewalt gegen jene Nationen, Organisationen oder Personen" anzuwenden, die die terroristischen Angriffe geplant oder unterstützt haben. Am 16.11.2001 sicherte Bundeskanzler Schröder dem amerikanischen Volk die "uneingeschränkte Unterstützung" zu, die ausdrücklich auch militärische Aktionen beinhaltet (was möglicherweise einem Verfassungsbruch gleichkam). Am 20.11. bat die afghanische Regierung bin Laden freiwillig das Land zu verlassen. Diesmal jedoch verweigerte sich das inzwischen heimatlose Al-Quaida-Oberhaupt, er hatte keinen anderen Ort mehr an den er fliehen konnte. Desweiteren dementierte er die Urheberschaft an den Anschlägen, schwor bei seiner muslimischen Ehre unschuldig (daran) zu sein. Später gab es Berichte die genau das Gegenteil behaupteten.
Die Dinge überstürzten sich, niemand schien sich daran zu stören, dass weder bewiesen war (und ist), dass es terroristische Angriffe waren noch dass Al-Quaida diese ausgeführt hatte. Auch dass die beschlossenen Ermächtigungen völkerrechtlich zumindest strittig waren wurde damals wie heute nicht unfassend thematisiert. Alle Amerikaner und deren Verbündete waren sich auf wundersame Weise einig, man müsse den Terroristen den Krieg erklären.
Nun hatte man also mit 9/11 einen Anlaß für einen Krieg und mit der Verbindung vom angeblichen Urheber zu der Taliban-geführten Regierung Afghanistans auch sein Ziel. Die Zeichen standen auf Krieg und so kam es das 7.10.2001 (nicht einmal einen Monat nach 9/11) der von amerikanischen Luftverbänden unterstützte Angriff auf die Taliban begann.
Ob man nun glaubt 9/11 sei von vornherein inszeniert oder nicht, man kann seine Augen nicht davor verschließen, dass die Art und Weise wie die Anschläge für politische Zwecke mißbraucht wurden, an die vergleichbaren, verbrecherischen Machenschaften aus der Vergangenheit erinnern...Wie konnten wir so blind sein? Aber die hier thematisierten Kriege in Afghanistan und Irak waren nur eine Folge von 9/11, unsere gesamte demokratische Welt wurde seitdem in bedenklichem Maße verändert, unter dem Motto man müsse die freiheitlich Gesellschaft beschneiden um sie zu beschützen.
Das volle Ausmaß dieses Konfliktes können wohl erst unsere Enkel oder Urenkel beurteilen. Dass ein solches Urteil nicht sonderlich positiv ausfallen wird, scheint mir jedoch schon heute als sicher festzustehen.
Fazit:
Um diesen etwas ausufernden 3-teiligen Blog einen Abschluß zu geben will ich einige Punkte als Extrakt festhalten, die ich für hinreichend wahrscheinlich halte um sie für die Wahrheit zu halten:
* es gibt Interessengruppen, die kein Interesse an einer friedlichen Welt haben
* es gab in ferner wie jüngerer Vergangenheit Ereignisse, die zu dem Zweck inszeniert wurden, einer Nation einen Kriegsgrund zu liefern
* die wahren Hintergründe solcher Ereignisse werden wenn überhaupt dann erst bekannt, wenn "Gras über die Sache gewachsen ist"
* Kriege werden immer aus egoistischen, macht- oder wirtschaftspolitischen Interessen geführt
* Es wird hier einen Blog über 9/11 geben
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