Es lebe die Revolution...
Als ich als Schüler damals in der Schule im Geschichtsuntericht von den diversen Revolutionen der Weltgeschichte erfahren habe, dachte ich immer, dass so etwas heutzutage (in der westlichen Welt) gar nicht mehr passieren kann.
Ich dachte mir dass es dazu gar keinen Anlass mehr geben könnte, da unsere heutige Gesellschaft viel gerechter ist als damalige. Auch die in Revolutionen normalerweise (und leider auch erforderlicherweise) vorkommenden Gewalttaten würden aufgeklärte Menschen gar nicht mehr fertig bringen.
Nun bin ich einige Jahre älter geworden und wenn auch sicher nicht frei davon um einiges weniger naiv als zuvor. Zumindestens eines habe ich inzwischen gelernt: Unsere heutige Gesellschaft ist nicht gerecht (wenn auch ein wenig "gerechter" als Frühere).
Gerecht wäre es, wenn jeder bekommt, was er verdient. Nun ist es praktisch unmöglich vollkommen gerecht abzuwägen was denn ein Jeder bei Anwendung dieser Formel verdient, jedoch dürfte jedem klar sein, dass es beileibe heute diese Form der Gerechtigkeit nicht gibt. Spätestens wenn man sich fragt, ob der Spitzen-Hedge-Fond Manager und die Altenpflegerin beide bekommen was sie verdienen (nicht nur finanziell betrachtet), sollte jede Illusion von Gerechtigkeit ausgelöscht sein.
Bis zu einem bestimmten Maß wird Ungerechtigkeit von Menschen ertragen, solange zumindestens genug übrig bleibt um Grundbedürfnisse zu befriedigen. Irgendwann jedoch ist das sprichwörtliche Faß am Überlaufen.
Auch was die Bereitschaft zu gewalttätigen Umwälzungen angeht, bin ich heute anderer Ansicht. Solange sich nur genügend Frust, Wut und Angst in einem Menschen anstaut ist er zu fast allem Bereit sich aus seiner Verzweiflung zu befreien.
Revolution ist für mich heute also nicht mehr undenkbar. Im Gegenteil.
Seit einigen Jahren ist in mir die Überzeugung gereift, dass sich unsere Gesellschaftsform, wie alle anderen zuvor, genau auf eine solche Umwälzung zubewegt. Am Ende wird es einen großen Knall geben und die Gesellschafts- und vor allem die Wirtschaftswelt wie wir sie heute kennen wird zerstört werden. Was kommt danach? Ich weiß es nicht. Wird es danach gerecht zu gehen? Unwahrscheinlich!
Bis vor einigen Monaten bin ich davon ausgegangen, dass ich dies wohl nicht mehr erleben werde, da ich ein solches Ereignis nicht in den nächsten 50 Jahren passieren sah, heute jedoch sehe ich immer mehr Anzeichen dafür, dass es sehr viel schneller passieren kann.
Wie komme ich darauf?
Zuletzt ist es mir wieder klar geworden, als ich über die aktuelle Krise einiger Euroländer, allen voran Griechenland, nachgedacht habe.
Wie wir unlängst erfahren haben hat Griechenland bereits seit Jahren große Probleme damit seine ständig wachsenden Staatsschulden und die daraus entstehenden Zinsen zusätzlich zu seinen anderen staatlichen Ausgaben zu stemmen. Woran liegt das? Offenbar haben die Griechen über Ihre Verhältnisse gelebt lautet nun die einhellige Meinung. Wer sowas als Tatsache meint hat sicher Recht (zumindest im finanzpolitischen Sinn), wer es jedoch als Vorwurf meint sollte sich mal die Staatsverschuldung unserer Republik oder die jedes (!) anderen Staates dieser Welt ansehen.
Alle Staaten der Welt geben jedes Jahr (Ausnahmen bestätigen die Regel) mehr Geld aus als sie einnehmen. Die Differenz wird durch die Ausgabe von Staatsanleihen, also die Aufnahme von Schulden, bezahlt. (Wie man in Griechenland gesehen hat, gibt es auch noch innovativere Ansätze Geld aufzutreiben, aber das ist ein Thema für sich.)
Das Einzige was uns (Deutschland) und andere Staaten von Griechenland unterscheidet ist, dass der prozentuale Anteil der Zinslast an unseren Einnahmen noch etwas geringer ist. Der Weg führt auch bei uns unweigerlich in diese Richtung. Staatsbankrott ist vorprogrammiert.
Wie ist es dazu gekommen?
Kriege sind wohl die Hauptursache für den desolaten Zustand der Haushalte aller Länder. Kriege führen in aller Regel dazu, dass es einige wenige Menschen und Institutionen gibt, die massiv finanziell profitieren und dass die breite Masse der Bevölkerung finanziell (neben allem anderen) leidet. Und Kriege hat es viele gegeben.
Im Krieg, besonders bei solchen die über lange Zeit andauern und bei denen der Ausgang ungewiss ist (übrigens auch bei kalten Kriegen), versuchen die beteiligten Länder natürlich alles um den Krieg für sich zu entscheiden. Dies führt dazu, dass immer mehr Kriegsmittel (Schwerter, Musketen, Panzer) beschafft werden müssen. In der Geschichte hat es meines Wissens nach keine Nation gegeben, die in einem schwierigen Krieg dem Drang widerstehen konnte, massiv ihre Staatseinahmen durch große Kredite zu erhöhen. Dieser Drang ist auch schwerlich zu verurteilen, sieht eine Regierung die Existenz des gesamten Staates und damit auch der Bevölkerung gefährdet, ist eine Verschuldung das bei weitem geringere Übel. Das Problem lag und liegt eher in der Zeit nach den Kriegen, denn dort wurde es meist (wenn nicht immer) versäumt die angehäuften Schulden wieder zu tilgen. Nun stecken alle Staaten so tief in den Schulden, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass sie diese jemals zurückzahlen können.
Wer ist Schuld?
Die Banken als Profiteure sowohl während als auch nach den Kriegen, sagen die Einen. Die Staaten, weil Sie Ihre Schulden nicht zurückzahlen und zusätzlich immer mehr Schulden machen, sagen die anderen. Letztendlich tragen wohl beide zusammen und damit wir alle die Schuld. Mit den Fingern immer auf die anderen zu zeigen wird jedenfalls die Misere nicht bereinigen.
Was kann man machen?
Ich persönlich befürchte fast, dass der Kampf letztlich schon verloren ist, weil der Karren zu tief im Dreck steckt. Alles was man dann noch tun kann, ist den Prozeß so lange wie möglich hinauszuzögern. Falls ich mich täusche und es noch Hoffnung auf Rettung gibt, wäre die einzige Möglichkeit umgehend rigoros zu sparen. Das würde bedeuten: keine moderne Armee, keine alles regelnde Verwaltung, kein umfassendes Sozialsystem, weniger Polizei, Richter, Lehrer etc. Kurzum ein enorm verschlankter Staat. Dies alles würde wohl dazu führen, dass zB Kriminalität sprunghaft ansteigt, Menschen ohne Arbeit verarmen, ganze Wirtschaftszweige zugrunde gehen etc. Der Wohlstand des Volkes würde wohl so enorm sinken, dass der Weg absolut ungehbar erscheint. Dann lieber so weiter machen wie bisher und hoffen dass es wenigstens noch so lange gut geht wie man selbst lebt...
Wie endet es?
Die Profiteure diese Kreislaufs werden sich nach und nach alle Vermögenswerte aneignen, während der Rest der Menschheit immer mehr verarmen wird.
Danach folgt was bisher immer geschehen ist, der Sturm auf die Bastille.
Wie so etwas in der heutigen Zeit mit den Waffen über die wir verfügen aussehen kann, will ich mir gar nicht vorstellen. Wenn die Geschichte uns eines lehrt dann aber folgendes: die Eliten (seien es Tyrannen, Monarchen oder Oligarchen) werden beseitigt und auf kurz oder lang durch neue ersetzt. Dann beginnt der Kreislauf von vorn.
Wann ist es soweit?
Ich habe den Eindruck, dass der Prozeß sich vor allem Dank der Weltwirtschaftskrise erheblich beschleunigt hat. Da sich nun ausgehend von der Griechenlandkrise erneut eine große Krise anzubahnen scheint, wird es wohl widerum eine sprunghafte Beschleunigung geben.
Eine Prognose wann genau die große Revolution kommen wird mag ich nicht vorherzusagen, aber ich befürchte Sie kommt eher als uns lieb ist.
Viva la Revolution.
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