Donnerstag, 24. Juni 2010

Wer hat Schuld an der Bankenkrise?

Lehmann Brothers? Hedgefonds? Ratingagenturen?

Dreimal ein klares Ja, aber auch dreimal ein klares Nein. Die oben genannten Akteure auf den Finanzmärkten haben sicherlich alle Ihren Anteil an der aktuellen Bankenkrise, die längst eine gesamtwirtschaftliche Krise geworden ist. Aber meiner Meinung nach hat keiner dieser Akteure ursächliche Schuld an der Krise, denn die eigentliche Ursache ist im System bereits eingebaut. Dieser Blog soll sich damit beschäftigen diesen Fehler aufzuspüren.



Um der Sache auf den Grund zu gehen muss man zunächst Klarheit über den Begriff Geld haben.
Geld (wie wir es heute kennen) ist nichts weiter als ein künstlich geschaffener Ausdruck der einen bestimmten materiellen Wert darstellt. Geld kann man nutzen um Waren und Dienstleistungen zu kaufen und ein Verkäufer wird Geld annehmen nur aus dem Grund weil er damit widerum Waren kaufen kann. Das Geld selbst besitzt keinen eigenen materiellen Wert (bzw. einen so geringen, dass er nicht ins Gewicht fällt). Es ist also nur von Wert weil Dieser vom Staat garantiert wird.
Letztendlich vergibt der Verkäufer einer Ware einen Kredit (in Form der Ware) an den Käufer. Den Ausgleich dieser Schuld kann der Verkäufer dann bei jedem beliebigen Händler erlangen indem er das erhaltene Geld verwendet. Geld gleicht Schuld. Geldscheine sind Schuldscheine.
Etwas genauer betrachtet muss man zwischen verschiedenen Formen von Geld unterscheiden, dem Bargeld und dem Giralgeld (neben weiteren Formen die ich hier unberücksichtigt lasse).

Bargeld
Man darf Bargeld nicht gleichsetzen mit den Scheinen und Münzen die wir alle kennen. Diese sind lediglich das materielle Symbol, dass dieses Geld darstellt. Diese Münzen und Scheine werden in diversen Produktionsstätten herstgestellt, zu Geld werden sie jedoch erst in dem Moment, da sie von der jeweiligen Zentralbank des Landes (oder der Ländergemeinschaft) ausgegeben werden.
Zentralbanken schaffen also Bargeld indem sie es ausgeben. Ausgegeben wird dieses Geld nicht etwa direkt an den Bürger sondern an privatwirtschaftliche Banken in Form von Darlehen. Die Zentralbank erhält also ein Forderung an die Privatbank, die Privatbank bekommt das Bargeld. Durch die Privatbank gerät also das Geld in den Umlauf.

Giralgeld
Der offensichtliche Unterschied zwischen Bar- und Giralgeld ist der, dass für Giralgeld kein materielles Symbol existiert. Es existiert also nur auf den Computern der Banken.
Der Hauptunterschied besteht jedoch in der Entstehung des Giralgeldes. Dieses entsteht nämlich wenn ein Kunde einer Bank bei dieser einen Kredit aufnimmt. Die Bank bucht also auf einem vormals leerem Konto lediglich auf beiden Seiten (Soll + Haben) den gleichen Betrag und schon ist die gewünschte Geldmenge entstanden.

Banken
Für diese Dienstleistung und das Risiko der Kredit könnte nicht zurüchgezahlt werden erhält die Bank Zinsen. Der Kreditnehmer muss also mehr Geld zurückzahlen als er aufgenommen hat. Da dieses Mehr von irgendwoher kommen muss, muss der Kreditmnehmer Geld einnehmen oder weitere Kredite aufnehmen.
Angenommen der Kreditnehmer zahlt die Zinsen mit dem Lohn den er erhält, so muss auch dieses Geld von irgendjemanden als Kredit aufgenommen werden und widerum muss mehr Geld zurückgezahlt werden als geschaffen worden ist.
Betrachtet man die Summe aller von einer Volkswirtschaft aufgenommen Schulden bedeuted dies, dass stets weniger Giralgeld vorhanden ist als gebraucht wird um die Zinsen zu bezahlen. Es besteht also der Bedarf ständig neue Kredite aufzunehmen.

Staaten
Kommen wir zu der Rolle, die Staaten in diesem Spiel spielen. Zunächst sollte man den Begriff Staat definieren. Ein Staat ist eine Gemeinschaft von Menschen, die auf einem bestimmten, abgegrenzten Gebiet zusammen leben und durch eine Regierung (es ist hierbei unerheblich ob das ein Häuptling, König, eine parlamentarische oder sonstige Regierung ist) vertreten wird. Die Regierung trifft also Entscheidungen des Staates in Vertretung für das Volk.
Dem Staat werden diverse Aufgaben auferlegt, wie beispielsweise die Verteidigung oder die Bildung. Dazu muss ein Staat von seiner Bevölkerung einen Anteil Ihres Geldes einziehen um die Aufgaben erfüllen zu können. Dies erfolgt durch Steuern.

Abstrakt betrachtet ist der ideale Staat eine Art gigantisches Wesen, das von Allen gefüttert wird und dafür bestimmte Aufgaben erledigt, die der Einzelne nicht erfüllen kann. Leider gibt es den idealen Staat nicht, weil es keine Form der Regierung gibt, die einen Staat völlig effizient leiten könnte. So haben alle Beteiligten einer Regierung immer mehrere Ziele, die sich meist entgegenstehen. Effiziente Organisation des Staates steht zum Beispiel dem Drang nach Wiederwahl oft entgegen. Auch ist meist nicht offensichtlich erkennbar was tatsächlich im Interesse des Volkes ist, zumahl das Volk aus vielen Gruppen besteht deren Interessen sich meist nicht decken.
Auch kann es besondere Situationen geben in denen Staaten mehr Geld brauchen als durch das Volk in Form von Steuern eingezahlt wird, beispielsweise wenn Kriege geführt werden.
Dies hat im Laufe der Geschichte dazu geführt, dass Staaten sogenannte Staatsanleihen ausgegeben haben. Hierbei leiht der Staat sich weiteres Geld bei einer Bank, welches die Bank selbst (aus dem Nichts heraus) erschafft. Die Bank erhält widerum die Garantie das die Schuld nebst Zinsen zurückbezahlt wird. Wiederum also ist weniger Geld entstanden als zur Tilgung nötig sein wird.
Leider haben oben geschilderte Interessenkonflikte der Regierungen dazu geführt, dass Staaten auch dann Kredite aufgenommen haben, wenn keine expliziten Krisen bestanden und auch dazu dass die Kredite nicht zurückbezahlt wurden sondern lediglich mit Hilfe neuer Staatsanleihen getilgt wurden. Denn die Erhöhung des Staatsdefizits läßt sich beim Wähler leichter verkaufen als die Erhöhung der Steuern. Nach und nach führte diese Entwicklung zur heutigen Situation, nämlich der, dass die Mehrzahl der Staaten der Erde Schuldenbeträge haben die einen erheblichen Anteil Ihres jährlichen Bruttoinlandsprodukte ausmachen. Laut dieser Infografik haben beispielsweise Deutschland einen Schuldenstand in Höhe von 73,1% seines BIP, die USA 84,8% ihres BIP, Griechenland 112,6% seines BIP. Den Höchststand hält demnach Japan mit 189% seines BIP.
Zur Verdeutlichung eine kleine Rechnung. Das durchschnittliche Nettoeinkommen eines deutschen Haushaltes beträgt ca. 2700€. Das macht jährlich 32400€. 189% davon entsprechen 61236€. Der absolute Durchschnittshaushalt mit einem Schuldenstand von 61236€ wäre also in einer vergleichbaren Lage wie Japan.
Man sieht also, dass Staaten im allgemeinen hoch verschuldet, teilweise sogar überschuldet sind.
Nun haben Viele die Ansicht: "Was interessieren mich Staatsschulden? Sind doch nicht meine Schulden." Doch dies ist ein Irrglauben. Zwar kann die Bank nicht den Bürger des Staates direkt zur Zahlung der Zinsen und zur Tilgung des Kredites auffordern, aber es kann dieses vom Staat fordern. Der Staat zahlt demnach die Zinsen und Raten, jedoch kommt dieses Geld natürlich von jedem einzelnen Steuerzahler. Laut diesem Link entfallen etwas 20% der Staatseinkünfte auf das Zahlen von Zinsen. 20 Cent von jedem Euro Steuern die jeder von uns zahlt gehen drauf um Deutschlands Zinszahlungen zu leisten. Wohlgemerkt, damit ist noch kein Euro der eigentlichen Schuld getilgt.

Zukunftsaussicht
Man muss keiner der Wirtschaftsweisen sein um zu wissen, wohin die Entwicklung führt, wenn nicht schleunigst die Notbremse gezogen wird und der riesige Schuldenberg abgetragen wird. Da der ausgeglichene Haushalt (von einem Überschusshaushalt will ich gar nicht sprechen) in der gesamten Welt eine absolute Ausnahme darstellt kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Staatsschulden aller Länder kontinuierlich weiter steigen werden. Immer größere Anteile gehen für die Zahlung von Zinsen drauf. Dies führt unweigerlich zur stetigen Verarmung der Bevölkerungen. Ohne Kehrtwende führt daran kein Weg vorbei!

Schuldfrage
Kommen wir zum Beginn dieses Blogs zurück. Wer ist also Schuld an der Finanzlage sämtlicher Staaten und damit an allen Wirtschaftskrisen seit Erfindung des Kreditgeldes?
Unsere Regierungen! Und damit natürlich wir alle, denn die Regierungen vertreten uns und wenn uns nicht gefällt wie sie uns vertreten, müssen wir Sie so oder so mit anderen Regierungen ersetzen, die unsere Interessen besser vertreten.
Man kann natürlich auch den Banken die Schuld geben und man läge damit prinzipiell nicht falsch, da das derzeitige System von Geldschaffung, Zins und Zinseszins auffallend viele Parallelen mit denen des Drogenkonsums hat. Banken nehmen dabei den Platz der Drogenbarone ein und versorgen die Staaten mit der jährlichen Dosis. Da die Banken sich aber im Rahmen der von uns akzeptierten Gesetze bewegen, kann man Ihnen ausser vielleicht übertriebener Raffgier nichts vorwerfen. Es liegt widerum bei den Regierungen die Gesetzeslage so zu ändern, dass das System fairer gegenüber allen Teilnehmern ist.

Fazit
Will man die absolute Katastrophe vermeiden, muss der so bequem erscheinende Weg, Haushalte durch Kredite zu finanzieren ein für alle mal gestoppt werden. Dies kann entweder durch Kürzung der Ausgaben (streicht man alle Subventionen an die Wirtschaft und hört auf Kriege zu führen wäre dafür viel getan) oder durch Erhöhung der Einnahmen (die Zahl der Millionäre nimmt stetig zu).
Nur mit einem eisernen Sparkurs kann man unsere Wirtschaftsordnung als Ganzes noch retten.
(Und wer jetzt sagt ein Sparkurs schadet der Wirtschaft ist der Propaganda der Banken erlegen.)

Findet nicht bald ein Umdenken statt endet es irgendwann in Sklaverei oder Revolution (oder Beidem).

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